Archive für Juni 2005

Taxotere und Herceptin

Hallo zusammen,

gestern habe ich meine ersten Rationen Taxotere und Herceptin bekommen und bislang geht es mir erstaunlicherweise noch sehr gut. Ich führe das zum einen auf meine Hochdosis-Selen-Infusion am Chemo-Vortag und zum anderen auf meine guten Blutwerte zurück. Die konnten sich aufgrund des Verschiebens um eine Woche noch so einmal richtig erholen. Ich hoffe nur, dass dieser Zustand etwas Dauerhaftes hat!!! Zum Glück verspüre ich auch noch nicht einmal einen Hauch von Übelkeit o.ä. wie ich es nach den EC-Chemos hatte. Und da es mir mein Allgemeinzustand erlaubt, freue ich mich auf meine erste Gruppenstunde im Simonton-Kurs, der heute startet. Dort werde ich sicherlich auf viele neue Leidensgenossinnen von uns treffen. Mal sehen, wie das so wird.

Tja, ansonsten bin ich natürlich nach wie vor sehr traurig über den Verlust meiner Mutter, aber das dürfte ja wohl auch selbstverständlich sein. Mir fehlen unsere täglichen ewiglangen Telefonate … aber ich glaube fest daran, dass sie mir anderweitig tief verbunden bleibt 

Das Auferstehungsamt

Ihr Lieben,

ich danke euch für all die tröstenden Worte! Gestern haben wir das Auferstehungsamt für meine Mutter gefeiert und der Pfarrer hat eine so tolle Predigt gehalten. Ich bin froh, dass ich diese Beerdigung im Gegensatz zur Beerdigung unseres Vaters vor fast 13 Jahren sehr bewusst miterleben konnte. Damals waren wir von dem plötzlichen Tod unseres Vaters so schockiert, dass alles wie im Film ablief. Unsere Mutter hat es nun mit ihrem Weg, auf dem wir sie begleitet haben, geschafft, uns von diesem Trauma zu erlösen. Damit hat sie auch mir den Raum geschaffen, mich nun wieder voll auf meine Therapie zu konzentrieren und wieder gesund zu werden. Und … hat recht, wenn sie schreibt, dass mir diese gemeinsame Zeit mit meiner Mutter und meinen Schwestern auch sehr viel Kraft gegeben hat.

Nochmals vielen Dank für euren Zuspruch! Ich bin echt froh, euch hier zu haben.

… maßloses kindliches Vertrauen …

Auf der Beerdigung meiner Mutter habe ich die Lesung aus ihrer Lieblingslektüre der letzten Monate, der Novene „Zur heiligen Theresia vom Kinde Jesus”, vorgetragen

Der kleine Weg

Eine Kindheitserinnerung ist der Ausgangspunkt des sog. Kleinen Weges, jener Auffassung vom Heiligwerden, die der kleinen Theresia eigentümlich ist. Theresias Mutter besorgte morgens die Zimmer im ersten Stockwerk. Unten an der Treppe sitzt die Kleine. Sie will zur Mutter hinauf, aber es gelingt ihr nicht. Da ruft sie nach der Mutter und lockt so lange, bis die Mutter kommt und sie auf den Armen hinaufträgt. Diese Kindheitserinnerung ist der Ausgangspunkt des Kleinen Weges.
 Der Gedankengang des Kleinen Weges aber ist dieser: 

Theresia hat von frühester Jugend an das heiße Verlangen, heilig zu werden. Wenn sie aber an die großen Heiligen denkt, an ihre Abtötungen und Kasteiungen, an ihre Nachtwachen und Fasten, so kommt ihr diese Heiligkeit vor wie ein gewaltiger Berg, dessen Gipfel sie mit ihren schwachen Kräften nie erreichen wird.  Andererseits aber ist sie fest davon überzeugt, dass sie trotzdem heilig wird, weil Gott ihr keine unerfüllbaren Wünsche eingibt. Daher begibt sie sich auf die Suche nach einem, wie sie sagt, ganz geraden, kurzen und neuen Himmelsweg. Bald hat sie ihn gefunden. Sie denkt an ihre gute Mutter zurück, von der sie in den Kindheitstagen aus lauter Mitgefühl mit ihrem Unvermögen die Treppe hinaufgetragen wurde, weil sie aus eigener Kraft nicht hinaufkam. Und sie folgert weiter, dass Gott, der doch unendlich gütiger ist als die Mutter, es mit ihr ebenso machen und sie auf die Höhe der Heiligkeit hinauftragen wird, wenn sie ihn nur immer wieder kindlich darum bitte. Dann braucht sie keine Großtaten im Reiche Gottes zu verrichten, sondern, treu im Kleinen, wird sie sich ganz der Güte Gottes überlassen. Gott aber wird sich ihrer erbarmen, rein aus väterlichem Mitleid mit ihrem Unvermögen. Er wird sie auf seine Arme nehmen und zur Heiligkeit und zum Himmel emporheben. 

Das ist ihr Kleiner Weg. Die Treue im Kleinen und ein maßloses kindliches Vertrauen auf Gottes liebendes Vaterherz, das ist alles.