Großangriff

Ich habe mich dazu entschlossen, einen letzten Großangriff zu planen. Ich will leben! So viel ist klar und ich möchte noch möglichst lange und ohne Krebs leben! Deshalb plane ich für Januar eine letzte “freiwillige” OP.

Schon kurz nach meiner Schilddrüsen-OP vor drei Jahren kam die Diskussion auf, ob ich mir den linken Schilddrüsenlappen nicht doch noch entfernen lassen sollte. Mangels ausreichender Aufklärung durch meinen überweisenden Arzt einerseits und einer eigenen Strategie des Chirurgen andererseits, wurde mir damals nur der rechte Lappen entfernt - bis auf einen winzigen Rest, wie ich inzwischen weiß. Die Schnellschnittuntersuchung hatte damals nichts ergeben und so wurde ich drei Tage nach dem Eingriff nach Hause geschickt. Was in den folgenden drei Wochen im Hintergrund gelaufen ist, habe ich dann erst später erfahren.

Jedenfalls wurde ich damals 3 Wochen (!) nach der OP telefonisch darüber informiert, dass man ein C-Zell Karzinom entdeckt habe - ein Kleinstkarzinom. Also gar nicht der Rede wert!?! Haha. Um es kurz zu fassen: Der Befund lag bereits am Abend meines Entlassungstags (Freitagabend) vor, wie ich herausgefunden habe. Egal. Ich habe danach diverse Spezialisten konsultiert, da nicht klar war, ob der Tumor vollständig entfernt wurde, da er leider genau an der Schnittkante lag. Seitdem lebe ich mit der Ansage “BETRACHTEN SIE SICH ALS BIOCHEMISCH GEHEILT.” Ein Schelm, der Böses dabei denkt …

Nachdem ich über Monate hinweg versucht habe, mich emotional in den Glückszustand einer vom C-Zell Karzinom biochemisch geheilten Person zu versetzen, kamen den Spezialisten andere Bedenken in den Sinn. Ihr Hashimoto hält ihr restliches Schilddrüsengewebe in einem dauernden Entzündungszustand. Der pathologische Befund vor drei Jahren wies schon erhebliche lymphatische Reaktionen auf … kurz knapp: Es lauert die Gefahr, dass sie ein Lymphom entwickeln könnten! Ok, da frage ich doch noch einen weiteren Pathologen und lasse die beiden miteinander konferieren. Das Ergebnis wurde mir dann geradezu menschlich verpackt: “Also, wir würden besser schlafen, wenn Sie sich auch noch das restliche Schilddrüsengewebe entfernen ließen.”

Na wenn das so ist, dass meinetwegen Pathologen um ihren wohlverdienten und erholsamen Schlaf gebracht werden… ;-)

Diejenigen unter euch, die mich ein wenig kennen, ahnen schon, dass ich mich nur für ein wenig Schilddrüsengewebe erst gar nicht in den OP-Kittel begebe. Richtig! Frei nach dem Motto “Wenn schon, denn schon!” plane ich Größeres. Dann sollen meine lieben geschätzten Freunde in den weißen Kitteln doch gleich richtig ran. Da wäre noch mein Port, der es dann nach fast vier Jahren mehr als verdient hat, in den Ruhestand zu treten. Unsere Familienplanung haben wir ja nun auch wohl abgeschlossen (Man soll das Schicksal nicht unnötig reizen.), weshalb ich nun den Hormonhahn mit einer sog. Ovarektomie endgültig abdrehen werde. Ach ja, und nicht zu vergessen ist der kleine Nabelbruch, der mich seit ein paar Wochen erfreut … wer weiß, bis Januar fällt mir da sicherlich noch etwas ein … da wäre noch die Kupferspirale, die könnten sie doch bei der Gelegenheit eigentlich auch gleich mitnehmen, oder!?!

Auch wenn ihr es vielleicht nicht glauben könnt, aber ich habe tatsächlich schon ein KH gefunden, das mich mit meinem Angriffsplan aufnehmen möchte. Mein Großangriff lässt mich ein unschönes Kapitel meines Lebens hoffentlich endgültig schließen und ich wünsche mir so sehr, dass es mir gelingt! Denn:

ICH WILL LEBEN!

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