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Mentaler Rückfall

Dieser Eintrag stammt von Breast Cancer Survivor Am 5.10.2008 @ 18:33 In Uncategorized | 1 Kommentar

Gibt es so etwas wie einen “mentalen Rückfall”?

Ob ich will oder nicht, so muss ich mir mittlerweile doch eingestehen, dass mich all die Ereignisse der letzten Monate ganz schön gestresst haben - in positiver wie negativer Weise. Und inzwischen kommt das Bedürfnis nach einer Auszeit in kürzeren Abständen in mir hoch. Und genau da liegt meine Krux: Nach Simonton haben alle Formen von Stress ihre Auswirkungen auf unseren Organismus, was ich auch nicht anzweifle. Nur komme ich momentan nicht dazu bzw. ich nehme mir viel zu selten die Zeit für meine tägliche Visualisierung. So kommt es, dass meine Sehnsucht nach einer Auszeit mir wie ein Déjà-vu vorkommt. Sowohl vor meinem schweren Autounfall 2002 als auch vor meiner Krebsdiagnose 2005 hatte ich diesen Wunsch sehr, sehr intensiv, wusste mir aber keine rechte Lösung. Dass ich jetzt Angst davor habe, wieder unbewusst über eine Erkrankung einen Ausweg zu suchen, dürfte nachvollziehbar sein. Da ich in der Simonton-Therapie eigentlich das gesamte Sortiment der mir zur Verfügung stehenden (Re-)Aktionsmöglichkeiten gelernt habe, sollte man meinen, alles kein Problem. Ist es ja eigentlich auch nicht, aber es ist mit sehr viel Arbeit an mir selbst verbunden. Und seine Probleme bzw. Ängste zu verdrängen, ist über einen ziemlich langen Zeitraum einfach der leichtere Weg.

Mein erster Schritt war es, meinen eigentlichen Problemen, also den ungesunden Überzeugungen auf die Spur zu kommen, die meinem unguten Gefühl zugrunde liegen. Die Erkenntnis war echt bitter. Viele meiner schlimmsten Überzeugungen sind wieder da bzw. waren anscheinend gar nicht richtig weg. Also ein “mentaler Rückfall”!?! Ich komme mir vor wie ein rückfälliger Alkoholiker.

Aber der erste Schritt ist bereits getan, denn ich habe dem Hurrikan bereits ins Auge geblickt und mich in Richtung Ursache und damit in den Schmerz begeben. Gott sei Dank macht meine Schwester die Ausbildung zur Simonton-Beraterin und kann mir bei der Belief-Arbeit helfen und gemeinsam neue gesunde Überzeugungssätze formulieren! Am schlimmsten ist für mich der Gedanke, dass von meinen vermeintlichen 5 Jahren, die mir vielleicht seit der Diagnose noch bleiben, jetzt schon über 3 Jahre rum sind! Auch wenn ich weiß, dass meine Prognose gar nicht so schlecht ist, viel mehr als die 5 Jahre zu leben, so habe ich doch eine unbändige Panik vor einer Metastasierung und all den damit verbundenen Mythen. Gelegentlich habe ich schon einen regelrechten Verfolgungswahn. Habe ich einen Husten, Kopf- oder Gliederschmerzen, kommt mir immer der Satz der Ärzte in Bezug auf unsere Mutter in den Sinn: “Bedenken Sie die Schwere der Grunderkrankung ihrer Mutter!” Damals habe ich eine Weile gebraucht, um zu verstehen bzw. verstehen zu wollen, dass die Ärzte die ganze Zeit über auf der Suche nach ihren Metastasen waren. Wen wundert’s da eigentlich noch, dass all diese Erfahrungen ein Trauma bei mir hinterlassen haben?

[1] Stephanie Matthews Simonton schreibt in ihrem [2] Buch <<Heilung in der Familie>> zu solchen Ängsten übrigens Folgendes: Die Angst, ihre Krankheit könne sich verschlimmern, führt bei vielen Patienten zu einer Art “negativer Visualisierung”. Der Patient, dessen Hals schmerzt, denkt sofort: “Wenn sich mein Krebs nun ausbreitet?” Er stellt sich vor, was mit ihm los sein könnte, und entwirft ein negatives Bild, das oft erschreckend ist. Ich möchte jedem Kranken, der zu solch einer Schwarzmalerei neigt, raten, jedesmal sofort innezuhalten und sich dreißig Sekunden Zeit dafür zu nehmen, sich ein positives Gegenbild vorzustellen. Auch wenn er nicht weiß, ob es wirklich Krebs ist oder ob er sich nur einen steifen Hals geholt hat, kann er sich vorstellen, wie seine weißen Blutkörperchen an die betreffende Stelle strömen , um den Feind aufzuspüren und unschädlich zu machen. Es hilft, wenn er sich dabei sagt: “Gut ich habe Angst, und ich habe dieses Bild im Kopf. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit.”

So, nun heißt es auf ein Neues: Alle ungesunden Glaubensmuster müssen schnellstens und nachhaltig von meiner Festplatte verschwinden! Ich werde sie löschen bzw. mit den neu formulierten gesunden Glaubenssätzen überschreiben! Ich denke, offen damit umzugehen, ist genauso wie bei anderen Suchtproblematiken der beste Weg. Und wenn wieder mal Panik herrscht wegen irgendeinem Ziepen, dann will ich mir diese dreißig Sekunden Zeit nehmen, um meine weißen Blutkörperchen auf die Jagd zu schicken. Bislang ist es ja Gott sei Dank alles nur ein Hirngespinst von mir!


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[1] Stephanie Matthews Simonton: http://www.rowohlt.de/buch/Stephanie_M_Simonton_Heilung_in_der_Familie.05102008.
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[2] Buch <<Heilung in der Familie>>: http://www.rowohlt.de/buch/Stephanie_M_Simonton_Heilung_in_der_Familie.05102008.
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