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Zum Heulen!

Nun hatten wir fünf Jahre Krebspause - bis gestern Abend … Diesmal hat es meine Schwester getroffen. Nun wissen wir es ganz offiziell: invasiv duktales MammaCa. Es ist echt zum Heulen! Kar, rennen wir Geschwister allesamt regelmäßig zur Früherkennung bzw. Nachsorge, aber doch immer in der Hoffnung ein “o.B.” zu bekommen.

Es tut echt weh, eines anderen belehrt zu werden. :-(

Heute vor 5 Jahren …

Zum 5. Jahresgedenken

Stimmt das?

Gemeinsam mit meiner Schwester habe ich mich Anfang des Jahres entschlossen, der Interview-Anfrage einer Presseagentur zuzustimmen. Wir wollten das Engagement unserer Initiative “krebsfamilie.de” in die Öffentlichkeit bringen. Diese richtet sich an Menschen aus Familien, in denen eine oder verschiedene Tumorerkrankungen gehäuft aufgetreten sind, und die Frage „Komme ich aus einer Krebsfamilie?“ womöglich im Raume steht. Wir würden diesen Menschen gerne helfen, ihre diffusen Gefühle und Ängste zu sortieren, indem wir ihnen einen Weg zu den Stellen aufzeigen, an denen sie fachkundige Informationen und Unterstützung erhalten und sich möglichst mit anderen Betroffenen und Besorgten austauschen können.

Nun ja, was von unserem Ansinnen übrig geblieben ist, war in zwei Veröffentlichungen im März 2010 nachzulesen: 

Brustkrebs besiegt! und Nach dem Krebs kam doppeltes Glück.

Mir war schon klar, dass unser Anliegen nur über „meine Geschichte als Betroffene“ zu transportieren sein würde. Trotzdem war ich enttäuscht von dem, was ich zu lesen bekam. Insbesondere die Headlines haben mich ziemlich geplättet! Enthalten sie doch solch abgedroschene Phrasen, wie ich sie immer weit von mir gewiesen habe.

„Brustkrebs besiegt!“ – Kann man das überhaupt jemals behaupten? Vielleicht in 20 Jahren?!? Klar nach 5 Jahren sprechen die Mediziner von einer Neuerkrankung, aber was ist, wenn nach 6 Jahren die erste Metastase auftritt? Im Ergebnis hat man wieder Krebs. „Heilbar oder unheilbar?“ lautet dann die Frage. Das führt mich an den Punkt „Heilung“ – wann ist man denn überhaupt geheilt oder wieder gesund? Lange Zeit konnte ich die nett gemeinte Frage „Wie geht es dir? Bist du jetzt wieder gesund?“ kaum ertragen und habe darauf immer mit sarkastischem Unterton geantwortet: „Das kann man wohl erst sagen, wenn ich hoffentlich erst in mehr als 40 Jahren an etwas anderem als Krebs gestorben bin.“ Mittlerweile habe ich – allerdings nicht ohne therapeutische Hilfe – gelernt, mich momentan als gesund zu betrachten, auch wenn sich dieser Zustand täglich ändern kann. Aber habe ich deswegen den Brustkrebs besiegt? Dazu hätte ich ja kämpfen müssen. Habe ich gegen ihn gekämpft? Diese Frage muss ich wohl oder übel mit „Ja“ beantworten, denn vor 5 Jahren habe ich mich schließlich dafür entschieden, aus „allen Rohren zu feuern“ – nix Kuschelkurs mit den Tumorzellen, wie es vielleicht andere machen. Ich hatte mich für 8 statt 6 Chemos entschieden und eine einjährige Antikörpertherapie hinterher geschoben, für die ich mich sogar richtig ins Zeug legen musste, um sie im „off-label-use“ überhaupt zu bekommen. Würde ich mich heute anders entscheiden? Nein! Trotzdem stört mich das kriegerische Vokabular, das im Zusammenhang mit Krebs von Ärzten und Patienten gleichermaßen gerne benutzt wird, irgendwie.

„Anne Mönnich wäre fast gestorben“ – So habe ich das selbst nie gesehen! Schließlich hatte man mir von Anfang an gesagt, dass ich eine 85-prozentige Heilungschance hätte. Zugegebenermaßen basierte diese Aussage des Onkologen auf der Annahme, dass ich die empfohlenen Therapien auch durchführen würde. Und das habe ich getan, also wäre ich nur zu 15 % fast gestorben?!? Reicht diese Wahrscheinlichkeit für ein „fast“ überhaupt aus? Wie kann ich da mit solch einer heroischen Überlebensstory wie dieser daherkommen? Zu meiner Ehrenrettung sollte ich vielleicht klarstellen, dass ich selbst keinerlei Einfluss auf derartige Headlines habe. Als Betroffene habe ich solche Geschichten mit Skepsis aus den Augenwinkeln betrachtet.

Inzwischen ist eine Weile ins Land gegangen und ich wurde an verschiedenen Stellen auf die Artikel angesprochen. Und was soll ich sagen? Die Reaktionen waren von besorgt über anteilnehmend bis erstaunt, aber durchweg positiv. Dafür bin ich sehr dankbar, denn es gibt mir das Gefühl, dass ich mit meinem Engagement in die richtige Richtung gehe, und es gibt mir die Kraft, weiterzumachen.